Autismus-Diagnostik für Erwachsene in Berlin Friedrichshain
Manche Menschen erleben schon seit ihrer Kindheit, dass sie soziale Situationen, Sinneseindrücke oder Veränderungen anders verarbeiten als ihre Umgebung. Gespräche erfordern bewusste Vorbereitung, Geräusche werden schnell überwältigend oder der Alltag gelingt nur mit festen Routinen. Nach außen bleibt häufig unsichtbar, wie viel Anstrengung dahintersteht.
In unserer Praxis in Berlin-Friedrichshain bieten wir eine ausführliche Autismus-Diagnostik für Erwachsene an. Wir untersuchen gemeinsam mit Ihnen, ob eine Autismus-Spektrum-Störung Ihre Erfahrungen und Schwierigkeiten erklärt. Dabei berücksichtigen wir Ihre Entwicklung, Ihre heutige Lebenssituation sowie mögliche andere oder zusätzlich bestehende psychische Belastungen.
Die Untersuchung umfasst meist fünf Sitzungen à 50 Minuten und eine umfangreiche Testdiagnostik.
Wann kann eine Autismus-Diagnostik sinnvoll sein?
Eine Abklärung kann hilfreich sein, wenn Sie seit Langem wiederkehrende Besonderheiten bemerken, beispielsweise:
Soziale Regeln und unausgesprochene Erwartungen müssen Sie bewusst erschließen.
Gespräche, Gruppen oder Begegnungen kosten Sie viel Kraft.
Sie erleben ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit und festen Abläufen.
Veränderungen oder Unterbrechungen können erhebliche Anspannung auslösen.
Bestimmte Interessen beschäftigen Sie besonders intensiv und ausdauernd.
Geräusche, Licht, Gerüche oder Berührungen nehmen Sie ungewöhnlich stark oder schwach wahr.
Sie passen sich im Kontakt mit anderen stark an und benötigen anschließend viel Erholung.
Solche Erfahrungen können unterschiedliche Ursachen haben. Einzelne Merkmale oder auffällige Selbsttests reichen deshalb nicht aus, um eine Autismus-Spektrum-Störung festzustellen.
Auch beruflicher Erfolg, Beziehungen oder gute sprachliche Fähigkeiten schließen Autismus nicht aus. Entscheidend ist das Gesamtbild – einschließlich der Anstrengung, die das alltägliche Funktionieren erfordert.
Was ist eine Autismus-Spektrum-Störung?
Autismus ist eine neurologische Entwicklungsstörung mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen. In der ICD-11 wird die Autismus-Spektrum-Störung unter der Kategorie 6A02 beschrieben.
Für die diagnostische Einordnung sind insbesondere folgende Bereiche wesentlich:
Wechselseitige soziale Interaktion und Kommunikation: anhaltende Schwierigkeiten, beispielsweise beim intuitiven Erfassen sozialer Signale, im gegenseitigen Gespräch oder beim Gestalten von Beziehungen.
Eingeschränkte, repetitive und unflexible Verhaltensweisen, Interessen oder Aktivitäten: etwa ein starkes Festhalten an Routinen, ausgeprägte Schwierigkeiten mit Veränderungen oder besonders intensive Interessen.
Die Merkmale beginnen in der Entwicklungsphase. Sie können jedoch erst im Erwachsenenalter deutlich werden, wenn Anforderungen zunehmen oder bisherige Kompensationsstrategien nicht mehr ausreichen. Für eine Diagnose müssen relevante Beeinträchtigungen wichtiger Lebensbereiche bestehen. Dabei berücksichtigen wir auch Schwierigkeiten, die durch außergewöhnliche Anpassungsleistung verdeckt werden.
Die ICD-11 unterscheidet zusätzlich nach intellektueller Entwicklung und funktionaler Sprache. Der frühere Begriff Asperger-Syndrom wird dort nicht mehr als eigenständige Diagnose geführt. In Deutschland erfolgt die amtliche Kodierung bis zur Einführung der ICD-11 weiterhin nach ICD-10-GM.
Masking: Wenn Anpassung Schwierigkeiten verdeckt
Als Masking oder Camouflaging werden bewusste oder teilweise unbewusste Strategien bezeichnet, mit denen Menschen eigene Besonderheiten verbergen oder soziale Erwartungen erfüllen. Dazu können eingeübte Gesprächsabläufe, bewusst hergestellter Blickkontakt oder das Unterdrücken selbstregulierender Bewegungen gehören.
Diese Anpassung kann soziale Teilhabe erleichtern und zugleich mit erheblicher Anspannung und Erschöpfung verbunden sein. Deshalb betrachten wir sowohl Ihr Verhalten im Gespräch als auch Ihr inneres Erleben und Ihren Erholungsbedarf. Masking allein beweist allerdings keine Autismus-Spektrum-Störung.
Sensorische Hyper- und Hyposensibilität
Bei Autismus können Besonderheiten der Wahrnehmung und Verarbeitung von Sinnesreizen auftreten:
Hypersensibilität bedeutet, dass Reize ungewöhnlich intensiv oder belastend erlebt werden – beispielsweise Hintergrundgeräusche, grelles Licht, bestimmte Stoffe oder Gerüche.
Hyposensibilität bezeichnet eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen, etwa Temperatur oder Schmerz. Manche Menschen suchen zudem intensive Sinneseindrücke.
Über- und Unterempfindlichkeiten können bei derselben Person in unterschiedlichen Bereichen vorkommen. Sie werden im diagnostischen Gesamtbild eingeordnet.
So läuft die Autismus-Diagnostik bei uns ab
Die Untersuchung findet meistens in fünf Sitzungen à 50 Minuten statt. Die Schwerpunkte richten sich nach Ihrer Fragestellung und den bisherigen Befunden.
1. Anliegen und aktuelle Lebenssituation
Wir besprechen, weshalb Sie eine Abklärung wünschen, welche Erfahrungen Sie mit Autismus verbinden und wo Sie im Alltag Schwierigkeiten oder Belastungen erleben. Auch Ihre Erwartungen an die Untersuchung haben hier Raum.
2. Entwicklung und Lebensgeschichte
Wir betrachten Ihre Kindheit, Schulzeit und weitere Entwicklung. Dabei interessieren uns unter anderem soziale Kontakte, Kommunikation, Interessen, Routinen und sensorische Erfahrungen. Vorhandene Zeugnisse und frühere Befunde können zusätzliche Hinweise geben.
3. Vertiefende Gespräche und Testdiagnostik
Wir vertiefen die diagnostischen Fragen und beziehen ausgewählte Fragebögen, Interviews und ergänzende Aufgaben ein. Welche Verfahren sinnvoll sind, hängt von Ihrer Situation ab.
4. Zusammenführung und Differentialdiagnostik
Wir prüfen, wie die verschiedenen Informationen zusammenpassen. Dabei untersuchen wir auch, ob andere oder zusätzlich bestehende Schwierigkeiten berücksichtigt werden müssen – beispielsweise ADHS, Traumafolgen, soziale Ängste, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen.
5. Persönliche Ergebnisbesprechung
Wir erläutern unsere Einschätzung und die Gründe dafür. Gemeinsam besprechen wir, welche Bedeutung das Ergebnis für Sie hat und welche weiteren Schritte sinnvoll sein können.
Bei komplexen oder widersprüchlichen Befunden können zusätzliche Termine oder weiterführende Untersuchungen erforderlich sein. Die genannten Schwerpunkte können sich über mehrere Sitzungen verteilen.
Welche Tests und Verfahren nutzen wir?
Unsere Diagnostik verbindet klinische Gespräche mit Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Je nach Fragestellung nutzen wir unter anderem:
| Bereich | Verfahren und Informationsquellen |
|---|---|
| Fragebögen und Screenings | AQ-50, EQ – Empathie-Quotient, RAADS-14 sowie gegebenenfalls MBAS unter Berücksichtigung seines altersbezogenen Anwendungsbereichs |
| Strukturierte diagnostische Einordnung | Adult Asperger Assessment – AAA |
| Ergänzende Screenings zur sozialen Informationsverarbeitung | Reading the Mind in the Eyes Test – RMET sowie Aufgaben zum Prosodie-Verständnis aus dem Therapiemanual der Freiburger Autismus-Studiengruppe |
| Standardisierte Verhaltensbeobachtung | ADOS-2, bei uns nur in ausgewählten Fällen |
| Entwicklung und ergänzende Informationen | Entwicklungsanamnese, Fremdanamnesen sowie Sichtung vorhandener Zeugnisse und Befunde |
Nicht jedes Verfahren kommt bei jeder Person zum Einsatz. Kein einzelner Test kann eine Autismus-Spektrum-Störung zuverlässig bestätigen oder ausschließen. Auch Aufgaben zum Erkennen von Gesichtsausdrücken oder Tonfall erlauben kein pauschales Urteil über die Empathiefähigkeit eines Menschen. Entscheidend ist die fachliche Gesamteinschätzung.
Sorgfältige Diagnostik braucht ein offenes Ergebnis
Der Wunsch, die eigenen Erfahrungen besser zu verstehen, ist ein nachvollziehbarer Anlass für eine Untersuchung. Eine Autismusdiagnose kann entlastend sein und helfen, die eigene Lebensgeschichte neu einzuordnen. Zugleich prüfen wir ergebnisoffen, ob die diagnostischen Voraussetzungen tatsächlich erfüllt sind.
Autistische Merkmale sind nicht automatisch eine Störung
Auch Menschen ohne Autismusdiagnose können ausgeprägte autistische Merkmale aufweisen. Für die Diagnose betrachten wir deren Zusammenspiel, die Entwicklungsgeschichte und die Auswirkungen auf das Leben. Wir nehmen Schwierigkeiten auch dann ernst, wenn die diagnostische Schwelle nicht erreicht wird.
Ähnliche Erfahrungen können unterschiedliche Ursachen haben
Autismus, ADHS, Traumafolgen und andere psychische Schwierigkeiten können sich in manchen Erscheinungsformen überschneiden und gleichzeitig bestehen. Auch besondere kognitive Fähigkeiten und individuelle Kompensationsstrategien beziehen wir ein. Keine dieser Erklärungen wird allein aufgrund ihres Namens höher oder geringer bewertet.
Wir vergeben keine Wunschdiagnosen
Wir versprechen eine sorgfältige Untersuchung und eine nachvollziehbare Rückmeldung. Eine bestimmte Diagnose können wir nicht zusichern. Hohe Bestätigungsquoten sind für uns kein Qualitätsmaßstab.
Eine präzise Diagnostik soll dazu beitragen, tatsächliche Einschränkungen und Unterstützungsbedarfe sichtbar zu machen. Dabei berücksichtigen wir sowohl offen erkennbare Schwierigkeiten als auch Belastungen, die hinter erfolgreicher Anpassung verborgen bleiben.
Kosten und Kostenübernahme
Privatversicherung und Beihilfe: Die Kosten der Autismus-Diagnostik werden von Ihrer privaten Krankenversicherung beziehungsweise der Beihilfe übernommen. Der Umfang der Erstattung richtet sich nach Ihrem Tarif und den jeweiligen Beihilfebestimmungen.
Versicherte der Meine Krankenkasse (MKK): Für die Testdiagnostik entsteht ein privat zu tragender Eigenanteil von 45 Euro pro Sitzung. Dieser deckt unter anderem Lizenzgebühren der eingesetzten Testverfahren ab. Bei fünf Sitzungen beträgt Ihr Eigenanteil insgesamt 225 Euro.
Versicherte der BAHN-BKK: Die Versicherung übernimmt die gesamten Kosten der Diagnostik. Die Abrechnung erfolgt vollständig über den Selektivvertrag nach dem aktuellen EBM.
Selbstzahler:innen: Eine Sitzung à 50 Minuten kostet 135 Euro. Bei den meist fünf Sitzungen ergeben sich Gesamtkosten von 675 Euro. Zusätzliche Termine werden bei weiterem Abklärungsbedarf gesondert berechnet.
Ein Kurzbefund ist inklusive. Ein ausführlicher Befund mit Beschreibung der Diagnostik kostet zusätzlich 120 Euro.
Sollten die Diagnostik weniger Sitzungen benötigen, berechnen wir selbstverständlich nur den reduzierten Aufwand.
Häufige Fragen zur Autismus-Diagnostik bei Erwachsenen
Kann Autismus erst im Erwachsenenalter entstehen?
Autismus beginnt in der Entwicklungsphase. Er kann jedoch lange unerkannt bleiben und erst im Erwachsenenalter diagnostiziert werden. Zunehmende Anforderungen oder nachlassende Kompensationsmöglichkeiten können Schwierigkeiten deutlicher hervortreten lassen.
Kann ich autistisch sein, obwohl ich beruflich erfolgreich bin und Beziehungen habe?
Ja. Beruflicher Erfolg und Beziehungen schließen Autismus nicht aus. Für die Untersuchung sind auch die damit verbundene Anstrengung, notwendige Unterstützung und mögliche Einschränkungen in anderen Lebensbereichen wichtig.
Reicht ein auffälliger Online-Selbsttest aus?
Nein. Ein Selbsttest kann Anlass für eine Abklärung geben. Auffällige Ergebnisse können jedoch auch bei anderen psychischen Schwierigkeiten auftreten. Ebenso schließt ein unauffälliges Ergebnis Autismus nicht sicher aus.
Muss ich meine Eltern oder Schulzeugnisse einbeziehen?
Informationen aus der Kindheit können sehr hilfreich sein. Wenn Eltern nicht zur Verfügung stehen oder Unterlagen fehlen, besprechen wir, welche anderen Quellen genutzt werden können. Fehlende Informationen können die diagnostische Sicherheit begrenzen und werden in der Einschätzung berücksichtigt.
Wird bei jeder Untersuchung ADOS-2 durchgeführt?
Nein. Wir setzen ADOS-2 nur in ausgewählten Fällen ein. Die Entscheidung richtet sich danach, welchen zusätzlichen Erkenntnisgewinn die Untersuchung erwarten lässt. Die Diagnose beruht auf der Zusammenführung aller relevanten Informationen.
Können Autismus und ADHS gleichzeitig vorliegen?
Ja. Beides kann gemeinsam auftreten. Wir berücksichtigen mögliche Überschneidungen und prüfen, ob eine zusätzliche Abklärung sinnvoll ist.
Was passiert, wenn sich der Autismusverdacht nicht bestätigt?
Wir erläutern, weshalb die Kriterien aus unserer Sicht nicht erfüllt sind, und besprechen mögliche andere Erklärungen oder weitere Schritte. Ihre Belastungen bleiben unabhängig vom diagnostischen Ergebnis ernst zu nehmen. Bei unklaren Befunden benennen wir die verbleibenden Unsicherheiten.
Wie lange dauert die Diagnostik und was kostet sie?
Meist sind fünf Sitzungen à 50 Minuten vorgesehen. Bei 135 Euro pro Sitzung entspricht das 675 Euro einschließlich Kurzbefund. Ein ausführlicher Befund mit Beschreibung der Diagnostik kostet zusätzlich 120 Euro. Bei weiterem Abklärungsbedarf können zusätzliche Termine notwendig sein.
Erhalte ich einen schriftlichen Befund?
Ein Kurzbefund ist inklusive. Optional können Sie für zusätzlich 120 Euro einen ausführlicheren Befund mit Beschreibung der Diagnostik erhalten. Eine Diagnose führt nicht automatisch zu bestimmten Leistungen oder Nachteilsausgleichen; hierfür gelten jeweils eigene Voraussetzungen.
Autismus im Erwachsenenalter abklären lassen
Sie möchten besser verstehen, ob Autismus Ihre Erfahrungen und Schwierigkeiten erklären könnte? Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen und eine sorgfältige diagnostische Einordnung.
Kontaktieren Sie unsere Praxis in Berlin-Friedrichshain, um den Ablauf und die Möglichkeiten einer Untersuchung zu besprechen.
Fachliche Grundlagen und weiterführende Informationen
Ebert et al. (2013): Asperger-Autismus und hochfunktionaler Autismus bei Erwachsenen. Das Therapiemanual der Freiburger Autismus-Studiengruppe. Hogrefe.